betül ulusoy

Nur Muslime verbreiten Terror und Gewalt

Lieber Freund,

du fragst mich, warum es aber immer Muslime sind, die weltweit Terror verbreiten und Gewalt ausüben, wenn ich doch behaupte, dass Islam Frieden heißt. Ich verstehe dich.

Manchmal möchte ich zurückfragen:

Kennst du die ‚Lord’s Resistance Army‘, die in Zentralafrika einen christlichen Gottesstaat auf Grundlage der Zehn Gebote errichten möchte? Die schon seit Jahrzehnten wahllos plündert, mordet, foltert und vergewaltigt. Die Kinder entführt, um sie als Kindersoldaten oder Sex-Sklaven zu missbrauchen. Die die UNO die „wohl brutalste Rebellengruppe der Welt“ nennt.

Hörst du von ihr jeden Abend in der Tagesschau? Setzt du das Christentum auf Grund der LRA mit Terror und Gewalt gleich?

Macht es dir auch Angst, dass du von dem Attentat auf drei muslimische Studenten in North Carolina aus den Sozialen Medien erfahren musstest, statt aus unseren Nachrichten? Fragst du dich auch, woran das liegt und wie das sein kann? Erinnerst du dich an den Hassprediger Terry Jones, der dazu aufrief, Korane zu verbrennen? Weißt du, dass George Bush seinen „Kreuzzug“ dadurch rechtfertigte, in dem er sagte, Gott würde zu ihm sprechen und ihm diese Mission erteilen?

Kennst du die Piusbrüder oder die Christian Identity und weißt du, dass auch Buddhisten in Burma und Sri Lanka Attentate ausüben und bestialisch morden? Hörst du auch von ihnen?

Kennst du die christliche Organisation ‚Jugend mit einer Mission‘, die junge Menschen mit den Worten: „Dies ist ein Krieg und wir sind Soldaten. Ist es nicht Wert, dafür zu kämpfen? Ist es nicht Wert, dafür zu sterben?“, rekrutiert?

Die Liste des Leides und der Opfer ist so unendlich lang, lieber Freund. Die Liste derer, von denen du nicht allabendlich im Fernsehen hörst und von denen du nicht tagtäglich in der Zeitung liest. So. unendlich. lang.

Kannst du verstehen, dass ich traurig bin? Dass ich das Gefühl habe, dass mit zweierlei Maß gemessen wird, wenn ‚meine‘ Taten stets religiös motiviert sein sollen, während du lediglich Einzeltäter bist. Wenn ‚meine‘ Toten nicht beklagenswert sind und über ‚deine‘ Toten die ganze Welt trauert. Sind wir nicht alle Mensch? Ist der Schmerz nicht immer gleich groß?

Fordere ich von dir eine Distanzierung von den NSU-Morden? Verlange ich ein Bekenntnis von dir zu unserem Rechtsstaat, weil Marwa El-Sherbini in einem deutschen Gerichtssaal ermordet wurde? Mache ich dich für Solingen und Mölln verantwortlich? Werfe ich dir vor, dass du nichts unternommen hast, als erneut meine Moschee brannte?

Ich tue es nicht. Ich weiß, du hast mit ihnen nichts am Hut. Du bist gut.

Ich verstehe, dass du Muslime mit Gewalt und Terror in Verbindung bringst. Muslime begehen auch unsagbare Gräueltaten.

Nur lass mich dir sagen, lieber Freund,

dass du glaubst, es seien allein Muslime, die Abscheuliches tun, liegt vor allem daran, dass dir nur diese eine Sicht präsentiert wird. Merkst du das? Du sollst das glauben. Deine Welt soll unterteilt sein in Schwarz und Weiß. Das ist einfacher für dich. Leichter verständlich. Bequem.

Lass mich dir sagen,

Menschen können sehr böse sein. Menschen, unterschiedlicher Religion, Herkunft, Kultur und Hautfarbe. Du musst das jetzt unbedingt verstehen. Dass es Menschen sind, nicht allein Angehörige einer Religion. Du musst verstehen, dass sich Menschen nicht reduzieren lassen auf eine bestimmte Religion. Dass du mir mit der gleichen Offenheit, Unvoreingenommenheit, Toleranz und Respekt begegnen musst, die du auch von mir erwarten darfst und die ich dir gerne entgegenbringe.

Lieber Freund,

ich möchte, dass du endlich über den Tellerrand schaust. Ich möchte, dass nicht nur dein Bild vom Guten und Schönen bunt ist, sondern auch dein Verständnis vom Bösen und Schlechten vielfältig. Lieber Freund, ich möchte, dass du verstehst.

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27 Kommentare zu “Nur Muslime verbreiten Terror und Gewalt

  1. Almedina
    13. Februar 2015

    Besser hätte man es in Worten nicht fasssn können! Find deinen Blog ganz toll 🙂

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    • ayhanakcin
      17. März 2015

      Ich bin überwältigt mit welcher Wucht dieser Text doch wirkt und ausgestattet ist. Ich liebe diesen Text.
      Danke Schwester Betül.

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  2. schokobaer
    13. Februar 2015

    Ich glaube schöner ausdrücken kann man das nicht =)

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  3. Markus Gehling
    13. Februar 2015

    Beeindruckender Artikel, sehr wahr… Nur an einer Stelle will ich widersprechen und darum bitten, es zu überdenken: „Nur lass mich dir sagen, lieber Freund, dass du glaubst, es seien allein Muslime, die Abscheuliches tun, liegt vor allem daran, dass dir nur diese eine Sicht präsentiert wird. Merkst du das? Du sollst das glauben. Deine Welt soll unterteilt sein in Schwarz und Weiß. Das ist einfacher für dich. Leichter verständlich. Bequem.“ Das setzt voraus, dass es so etwas wie eine „Verschwörung“ gibt, das klingt sehr nach Pegida und so… Ich glaube, es gibt keine solche Verschwörung, es gibt aber Einseitigkeiten und es gibt Leute, die das nutzen wollen. Aber die Gründe hier sind sehr vielfältig. Ich finde nicht, das man den Eindruck vermitteln sollte, hier seien einheitliche „westliche“ Kräfte am Werk. Oder gar „Lügenpresse…“ Ich habe übrigens einmal einen Artikel zu derselben Thematik auf meinem Blog geschrieben. Als Christ und engagierter Katholik sehe ich manches ähnlich wie Sie: http://www.kreuzzeichen.blogspot.de/2014/08/ist-es-wirklich-der-bose-islam.html

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  4. Arno
    13. Februar 2015

    also ich habe von den ganzen Sachen, die aufgezählt werden, gelesen, teilweise in der Tagesschau gesehen.. Ed ist leider so, dass momentan mehr Muslime ScheIsse bauen und dashalb mehr in den Nachrichtan vorkommen. Ich kann de leider keine einseitige Berichterstattung erkennen. Vielleicht sollte der Autor mehr TV schauen dann würde er merken, dass die Information meist neutral ist….

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  5. alshake
    14. Februar 2015

    Hat dies auf muslimistisch rebloggt und kommentierte:
    Sehr lesenswert! Nichts hinzuzufügen:

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  6. SalvaVenia
    14. Februar 2015

    Hat dies auf SalvaVenia rebloggt und kommentierte:
    Klare Worte an der richtigen Stelle und an die richtige Adresse gerichtet.

    Dieser unsäglichen Selbstgerechtigkeit gehört endlich einmal der Spiegel vorgehalten, ist es schließlich seit nunmehr 3.500 Jahren die europäische Menschenvernichtungsmaschine, die die Gewalt in die Welt hineinträgt.

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  7. amommasview
    14. Februar 2015

    Wie wahr… Ein toller Text!

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  8. Volker Ahmad Qasir
    14. Februar 2015

    Vielen Dank für diese schönen, einfachen aber gleichfalls starken Worte.
    Und ich denke nicht, dass man hier gleich auf Verschwörungen der Medien schließen muss, wie Herr Gehling schreibt, wenn auch dieser Schluss manchmal nahe liegt. Es liegt vermutlich einfach nur daran, dass die eigene Wahrnehmung einer bestimmten Ausrichtung folgt und der „weiße Industriestaatler“ mit einem vorverurteilendem Blick Geschehnisse in der Welt bewertet. Islam ist böse = Attentat: Na kein Eunder, dass es ein Moslem war… Ob das jetzt eine bewusst einseitige Darstellung ist oder eben Folge einer bereits verschobenen Wahrnehmungswirklichkeit – Allah weiß es am besten. In der Hoffnung auf die Menschheit gehe ich mal positiv von ersterem aus.

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  9. Volker Ahmad Qasir
    14. Februar 2015

    …Pardon, von zweiterem natürlich. 😉

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  10. S. Meerbothe
    14. Februar 2015

    Hat dies auf Tüpflischiesser rebloggt und kommentierte:
    Genau so ist es.

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  11. filizb53
    14. Februar 2015

    Hat dies auf yukselensesler rebloggt.

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  12. Eckhardt Kiwitt
    14. Februar 2015

    Von dem Attentat auf drei muslimische Studenten in North Carolina habe ich aus der Zeitung erfahren (Spiegel, FAZ, Welt, SZ, NZZ).

    Über die LRA, über den NSU etc. etc. lese ich in der Zeitung (siehe oben).

    Über George W. Bush und seinen „Kreuzzug“ wurde in Zeitungen differenziert (!) berichtet (siehe oben).

    Die Fähigkeit zur Selbstkritik ist in freiheitlichen, demokratischen Rechtsstaaten gut ausgeprägt.

    Wie schaut es mit der Fähigkeit zur Selbstkritik in Diktaturen aus — z.B. dort, wo islamische Gesetze gelten, in Ländern, in denen Islam Staatsreligion ist ?

    Gefällt 4 Personen

  13. Nachdenkliche
    14. Februar 2015

    Hallo Betül,
    sehr guter Artikel, hat mich sehr nachdenklich gemacht. Ich habe in letzter Zeit immer mal wieder auf deinem Blog vorbeigeschaut, weil es mich interessiert, was deutsche Muslime in Deutschland zu der aktuell weltweit sehr angespannten Situation zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen so denken.
    Finde dich übrigens sehr sympathisch und deine Artikel immer sehr ausgewogen und reflektiert. 🙂 Top-Voraussetzungen um eine exzellente Richterin zu werden! Schade, dass das derzeit in Berlin mit Kopftuch nicht möglich ist.

    Ich denke, dass der islamistische Terror im Gegensatz zu anders motiviertem Terror/Hassverbrechen in der sog. „westl. Welt“ medial dermaßen präsent ist, liegt auch an folgenden drei Faktoren:

    a) Die Opfer wohnen (teilweise) im „Westen“

    Innerhalb der westl. Welt (Amerika, Europa, Australien) wurden und werden seit ca. 15 Jahren zahlreiche islamist. Anschläge mit vielen Toten verübt (New York, London, Madrid, Brüssel, Toulouse, Paris, Ottawa, Israel, Theater in Moskau, Schule in Beslan, Sydney, vereitelte Anschläge in Bonn, Sauerland-Gruppe), also fühlen sich die Bewohner dieser Regionen direkt betroffen und von den Terroristen „angesprochen“.
    Dadurch wird dann automatisch den islamistisch motivierten Anschlägen auf der restl. Welt viel Aufmerksamkeit zuteil und es stimmt ja auch, dass diese Anschläge weltweit verübt werden und keine räumliche Begrenzung kennen (Disko auf Bali, Hotel in Mumbai, Boko Haram in Nigeria, Kunming/China, Einkaufszentrum in Nairobi, sowie Anschläge innerhalb der musl. Welt (Syrien+Irak, Mali, Peschawar, Somalia, Jemen …, deren Aufzählung hier traurigerweise den Rahmen sprengen würde).

    b) Die Täter kommen (teilweise) aus dem Westen

    600 deutsche Muslime sowie Muslime aus Frankreich, England, Belgien, Dänemark, Österreich etc. (also mehrere tausende Europäer!!) schließen sich dem IS an und ziehen in den Dschihad nach Syrien/Irak, um dort im Namen des Islams zu morden, zu foltern, zu vertreiben und zu vergewaltigen. Die Dunkelziffer der Sympathisanten und Unterstützer dürfte noch weitaus höher liegen.
    Der deutsche Arm des IS, die Salafisten, wirbt in deutschen Fußgängerzonen um neue Mitglieder. Ich wohne z. B. in der Nähe einer salafist. Moschee, und fühle mich von deren Gebaren und offensiver Nikab-Trägerei ehrlich gesagt abgestoßen. Seit letzten Herbst sind es weniger, manche haben sich vlt. abgewandt (gut so), andere sind jetzt im Dschihad – gruselig!
    Fundamentalistisch-christl. Gruppen gibt es in meinem Wohngebiet auch, aber diese fallen nicht besonders auf und mir ist auch nicht bekannt, dass diese in die Welt ausschwärmen und Leute umbringen. Kann schon sein, dass diese auf Missionsdienst in nicht-christl. Länder ziehen und den Leuten dort ziemlich auf den Wecker gehen bzw. deren Armut für Missionszwecke ausnutzen/diese bewusst kulturell entfremden, das ist zwar schäbig, aber nochmal ein anderes Kaliber.

    c) Zusammenleben im Alltag

    Es gibt große Integrationsprobleme (z. B. in den Schulen), vor allem mit Menschen mit musl. Migrationshintergrund, d. h. viele Bürger (Eltern mit schulpflichtigen Kindern etwa) machen ganz persönlich negative Erfahrungen mit Muslimen. Fatalerweise vermischen manche Leute diese Probleme mit dem islamischen Fundamentalismus und Terror.

    Die Untaten der LRA in Uganda, die abstrusen Ansichten der Piusbrüder und die mordenden Buddhisten in Burma und Sri Lanka hingegen weisen doch recht wenig Berührungspunkte mit dem Alltag der deutschen Bürger auf. Natürlich sind diese Taten nicht weniger schlimm und grausam, aber im „Westen“ fühlt sich halt keiner so richtig davon betroffen.
    Es ist ein bisschen ähnlich wie mit den türkischen Muslimen in Deutschland, die sich über die Angriffe der israel. Armee auf ihre palästinensischen Glaubensbrüder und – schwestern in Gaza aufregen (halte ich menschlich für verständlich).

    Differenzierung ist natürlich unheimlich wichtig, aber man muss auch verstehen, dass dem durchschnittl. Bürger da intellektuell wirklich sehr viel abverlangt wird! Umso wichtiger ist es, dass die Medien differenziert berichten und Zusammenhänge aufzeigen, um gefährlichen Verallgemeinerungen etwas entgegenzusetzen. Die meisten Medien in Deutschland machen das meiner Ansicht nach wirklich gut, aber es ist natürlich schwer, gegen die o.g. 3 reellen Problemkomplexe anzukommen.

    Ein Problem ist auch: Staatlicherseits wird den Salafisten wenig entgegengesetzt, Pierre Vogel und seine Komplizen können mit ihrem schlichten Weltbild relativ ungehindert labile Jugendliche von der Straße einsammeln. Dass den Salafisten nicht so einfach das Handwerk gelegt werden kann, liegt an der deutschen Gesetzgebung und ist nicht die Schuld der Muslime.
    Problematisch ist weiterhin, dass die Salafisten sehr viel Geld aus saudi-arabischen (Öl)Quellen erhalten, große Rekrutierungsaktionen und Street-Dawa-Aktionen starten und das Internet (Youtube, soziale Netzwerke, professionelle Online-Auftritte, Google-Suchmaschinenoptimierung) mit ihrer völlig kruden Islam-Interpretation vollmüllen können, während die „normalen“ Moscheegemeinden, die dem Salafismus wohl am allerbesten etwas entgegensetzen könnten, nur spärliche finanzielle Ressourcen für ihre äußerst wichtige Jugendarbeit haben und die Leute ja auch noch nebenher ihren normalen Berufen nachgehen müssen. Es gibt ja durchaus viele engagierte Muslime, die sich für die religiöse Bildung von Jugendlichen einsetzen und sich um pubertätsbedingte Krisen kümmern, aber das läuft fast alles ehrenamtlich. Ich finde, diesen Leuten gebührt viel mehr Anerkennung und auch mehr finanzielle Unterstützung, so dass ggf. feste Stellen geschaffen werden können. Diese Thematik sollte medial mehr aufgegriffen werden.

    Der Mord an den drei amerikanischen Studenten hat mich sehr bestürzt und wirklich traurig gemacht. Insbesondere angesichts der religionsfeindlichen Facebook-Postings des Täters ist es völlig weltfremd zu glauben, dass dies nichts mit dem Hass auf Muslime zu tun haben soll. Der lange vor sich hin schwelende Streit um die Parkplätze mag der Auslöser gewesen sein, auch hatte der Täter Streit mit der gesamten Nachbarschaft um die Parkplätze, aber warum hat er ausgerechnet die Muslime erschossen – hätte er auch geschossen, wenn es sich bei den dreien um Atheisten wie ihn oder in dieser Gegend „üblichere“ Anglo-Saxon Protestants gehandelt hätte? Zumindest ist es doch seeeehr viel wahrscheinlicher, dass die Religion der Opfer eine Rolle gespielt hat – dass Craig Hicks die gut sichtbare Religionszugehörigkeit seiner Opfer komplett egal war und es ihm nur um die Parkplätze ging, halte ich für äußerst unwahrscheinlich.

    Es wird auch immer wieder darauf hingewiesen, dass der Mörder wahrsch. psychisch gestört ist. Es ist richtig, dies in die Beurteilung des Dreifach-Mordes mit einzubeziehen – aber: auch der Geiselnehmer von Sydney war psychisch gestört – hat da irgendwo in den Medien ein Hahn danach gekräht??? Auch einigen jungen IS-Anhängern wäre mit einem längeren Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik und entspr. Behandlung wahrscheinlich sehr gedient.

    Ich finde es zudem höchst peinlich und echt beschämend, dass die meisten Medien extrem spät und dann auch eher spärlich auf diese Morde reagiert haben – für mich ist der Dreifachmord ein Symptom eines zunehmend sich steigernden Aggressionspotentials zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen und daher durchaus „newsworthy“.

    Es stimmt schon, was viele Muslime beklagen: wäre in den USA ein Muslim (egal ob geistig verwirrt oder nicht) in eine Wohnung eingedrungen und hätte drei nicht-musl. Amerikaner erschossen, wäre das Breaking News auf allen Kanälen gewesen.

    Die entsprechenden Kommentarspalten in den Online-Zeitungen zeigten viel Hass gegen Muslime und wenig Mitgefühl für die Toten und deren Angehörigen. Ich war entsetzt und es hat mich irgendwie auch persönlich beschämt, da ich mich in letzter Zeit oft sehr über Muslime aufgeregt habe.

    Überhaupt hat es mich persönlich in den letzten Monaten verwirrt, dass ich manchmal richtigen Hass auf Muslime entwickelt habe (wenn ich was über Syrien/Irak gelesen habe oder nach den Anschlägen in Paris). Dieses Hassgefühl konnte ich überhaupt nicht in Einklang bringen mit den zentralen Werten, nach denen ich eigentlich leben will (Nächstenliebe, Menschenwürde, Gottesebenbildlichkeit des Menschen und auch Feindesliebe).

    Es mag irgendwie hilflos oder lächerlich klingen, aber ich habe dann begonnen, mich auf der Straße bewusst an muslimische Frauen mit Hijab zu wenden, um nach dem Weg zu fragen (natürlich nur, wenn ich wirklich den Weg nicht wusste 😉 oder auch mal ein längeres Schwätzchen mit meiner Nachbarin mit Hijab zu führen (bis jetzt hatten wir uns immer nur kurz gegrüßt im Treppenhaus, mehr nicht …). Und es funktioniert, denn ich versetzte mich jetzt mehr in Muslime in D hinein und frage mich, wie diese sich wohl angesichts der momentan herrschenden Stimmung fühlen.
    Vielleicht finde ich auch einen interreligiösen Gesprächskreis oder so bei mir in der Nähe, mal sehen ..

    Liebe Betül, sorry, dass ich deinen Kommentarbereich hier mit meinen Gedanken geflutet habe, aber es tut echt gut, dass mal alles zu erzählen. Wenn man im Freundeskreis diese Themen bespricht, kriegen sich immer gleich alle in die Haare und die Stimmung ist hinüber …

    Mach weiter so, beruflich und mit deinem Blog. 🙂

    LG

    Nachdenkliche

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  14. Nachdenkliche
    14. Februar 2015

    Hallo Betül,
    hier mein Kommentar nochmal in gekürzter Version, ist glaub ich leserfreundlicher. ;-
    😉

    Erstmal danke für denn sehr guten Artikel, hat mich sehr nachdenklich gemacht …

    Ich denke, dass der islamistische Terror im Gegensatz zu anders motiviertem Terror/Hassverbrechen in der sog. „westl. Welt“ medial dermaßen präsent ist, liegt aber auch an folgenden drei Faktoren:

    a) Die Opfer wohnen (teilweise) im „Westen“
    Innerhalb der westl. Welt (Amerika, Europa, Australien) wurden und werden seit ca. 15 Jahren zahlreiche islamist. Anschläge mit vielen Toten verübt (New York, London, Madrid, Brüssel, Toulouse, Paris, Ottawa, Israel, Theater in Moskau, Schule in Beslan, Sydney, vereitelte Anschläge in Bonn, Sauerland-Gruppe), also fühlen sich die Bewohner dieser Regionen direkt betroffen und von den Terroristen „angesprochen“.

    b) Die Täter kommen (teilweise) aus dem Westen
    600 deutsche Muslime sowie Muslime aus Frankreich, England, Belgien, Dänemark, Österreich etc. (also mehrere tausende Europäer!!) schließen sich dem IS an und ziehen in den Dschihad nach Syrien/Irak, um dort im Namen des Islams zu morden, zu foltern, zu vertreiben und zu vergewaltigen. Die Dunkelziffer der Sympathisanten und Unterstützer dürfte noch weitaus höher liegen.
    Der deutsche Arm des IS, die Salafisten, wirbt in deutschen Fußgängerzonen um neue Mitglieder, es ist also kein „Weit-Weg-Phänomen“.

    c) Zusammenleben im Alltag
    Es gibt große Integrationsprobleme (z. B. in den Schulen), vor allem mit Menschen mit musl. Migrationshintergrund, d. h. viele Bürger (Eltern mit schulpflichtigen Kindern etwa) machen ganz persönlich negative Erfahrungen mit Muslimen. Fatalerweise vermischen manche Leute diese Probleme mit dem islamischen Fundamentalismus und Terror.

    Die Untaten der LRA in Uganda, die abstrusen Ansichten der Piusbrüder und die mordenden Buddhisten in Burma und Sri Lanka hingegen weisen doch recht wenig Berührungspunkte mit dem Alltag der deutschen Bürger auf.

    Differenzierung ist natürlich unheimlich wichtig, aber man muss auch verstehen, dass dem durchschnittl. Bürger da intellektuell wirklich sehr viel abverlangt wird!

    Der Mord an den drei muslimischen StudentInnen in den USA hat mich sehr bestürzt und wirklich traurig gemacht.
    Ich finde es zudem höchst peinlich und echt beschämend, dass die meisten Medien extrem spät und dann auch eher spärlich auf diese Morde reagiert haben – für mich ist der Dreifachmord ein Symptom eines zunehmend sich steigernden Aggressionspotentials zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen und daher durchaus „newsworthy“.
    Es stimmt schon, was viele Muslime beklagen: wäre in den USA ein Muslim (egal ob geistig verwirrt oder nicht) in eine Wohnung eingedrungen und hätte drei nicht-musl. Amerikaner erschossen, wäre das Breaking News auf allen Kanälen gewesen!

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  15. Mamoun Yaacoubi
    15. Februar 2015

    …es geht gar nicht darum, ach wie differenziert unser Rechtsstaat ist… und schon wurde hier in den Kommentaren erfolgreich der Gedanke des „Ihr und Wir“ suggeriert. Indes ist das nichts anderes als selbstwertdienliche Attribution, das wir zu Genüge aus der Sozialpsychologie kennen…wir sind alle Bürgerinnen und Bürger dieses Landes. Was haben wir mit anderen Ländern zu tun und ihrer Fähigkeit zu Selbstkritik?

    Vielmehr geht es in diesem Artikel darum deutlich zu machen, dass die erfolgreich „implementierte“ Assoziation zwischen Islam und Terrorismus absolut inakzeptabel ist, zumindest für die Person, die halbwegs religiös gebildet ist…

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  16. #CityPolitiker
    16. Februar 2015

    Hat dies auf #CityPolitiker rebloggt.

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  17. Das Offline
    16. Februar 2015

    Der Islam hat zu Recht in schlechtes Image. Er zeigt sich allzu oft als extrem intolerant und gewalttätig. Sehr viele islamische Staaten sind Diktaturen. Im Namen des Islams werden Menschen unterdrückt und gefoltert, gesteinigt und zerstümmelt, ermordet und vertrieben, missbraucht und als Kind verheiratet.

    Ganz Staaten leben nach der Scharia. All das hat mit dem Islam zu tun, nicht nur mit dem Terror. Mit dem Islam steht die letze rückständige monotheistische und lebensgefährliche Religion am Pranger zurecht. Alle Religionen sind rückständig. doch der freie Westen hat die Macht der Religion und der Kirche in den Griff gekriegt, was ein Grund für den Wohlstand und den langen Frieden ist.

    Nein, aus den christlichen Konfirmandenunterricht bricht niemand in den heiligen Krieg auf. Es gibt im Westen keine tausende von verwirrten jungen Männern, die von einem grausamen Leben im Namen einer Religion träumen und dafür andere Menschen umbringen. Das liefert ausschließlich der Islam.

    Doch wir müssen jede Verblendung und jede Religion bekämpfen, die nach der Macht greift und Menschen vernichten will.

    Der Islam soll zuhause praktiziert werden, wenn man nicht bereit ist, sich von seiner Kindheit zu lösen und seine Glaubenssätze zu hinterfragen. Aber er hat aus sonst nicht das geringste zu sagen, zu tun, zu lassen oder zu wollen.

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  18. Club of 313
    16. Februar 2015

    Hat dies auf Club of 313 rebloggt.

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  19. Reni
    16. Februar 2015

    Vielen Dank für deine Worte. Wenn das nur alle Bösen auch so sehen könnten und andere Religionen und Kulturen tolerieren würden.

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  20. Pingback: USA: Muslime auf offener Straße erschossen – der Deutsche solls nicht wissen | Islamophobie, Islamfeindlichkeit, Islamhass

  21. Und wer heute meint, dass alle Wege Mohammeds in den blutigen Irrsinn führen, der hat nicht nur sachlich unrecht und blendet Millionen von Muslimen aus, die in Indonesien, Indien, Bosnien, manchmal sogar im Nahen Osten völlig friedlich neben Anders- und Ungläubigen leben (und denen irgendwelche Mohammed-Karikaturen oder -Filme übrigens völlig egal sind). Wer den Islam im Großen und Ganzen verteufelt, der hat vor allem die Lektion von Jay Lovestone nicht gelernt: Der Krieg gegen die mörderische, totalitäre Variante des Islam kann nur mithilfe von muslimischen Bundesgenossen gewonnen werden.

    Von Hannes Stein
    Korrespondent

    Die Welt
    http://www.welt.de/debatte/kommentare/article133673048/Islamismus-Igemeinsam-mit-Muslimen-bekaempfen.html

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  22. Dennis
    20. März 2015

    Liebe Frau Ulusoy,

    durch Zufall bin ich auf Ihren Blog gestoßen und habe mir gedacht, einige Beiträge durchzulesen. Als ich an diesen angekommen bin, stocke mir ein wenig der Atem. Es wundert mich, dass Sie den Völkermord in Srebrenica nicht noch aufgelistet haben, um das Christentum endgültig zu dämonisieren.

    Würden Sie sich wirklich besser fühlen, wenn man öfters schlecht über das Christentum schreiben würde? Können Sie ernsthaft besser schlafen, wenn man mehr über Joseph Kony und seine schreckliche Ideologie berichtet, damit auch der letzte Atheist sich bestätigt fühlt in seiner Entscheidung, Religion auf den Müllhaufen zu werfen? WENN das der Fall WÄRE, kann ich Sie beruhigen: Gehen Sie einmal auf die Straße und fragen sie Passanten nach der Rolle der Kirche. „Antisemitismus“ und „Vergehen an Kindern“ sind da nur einige der Argumente, die man sich anhören darf.

    Warum regen Sie sich nicht darüber auf, dass Hassprediger aus den salafistischen Reihen Menschen radikalisieren, um diese dann als „Kanonenfutter“ in den „heiligen Krieg“ zu schicken? Warum sagen Sie denen nicht, wie der richtige Islam gelebt wird? Finden Sie es nicht auch schrecklich, dass sich z.B. Schiiten anhören dürfen, keine richtigen Muslime zu sein?

    Es vergeht kaum eine Woche, in der man sich nicht kritisch mit PEGIDA und den Islamkritikern auseinandersetzt. Die Menschen, die Woche für Woche gegen PEGIDA und Islamfeindlichkeit demonstrieren, haben bei Ihrer Argumentationskette scheinbar keinen Platz. Das finde ich sehr bedauerlich!

    Ich brauche mich also wegen der NSU-Morde nicht mehr schuldig fühlen? Es ist also unnötig, wenn das Feuilleton gebetsmühlenartig von den NSU Morden berichtet, um die Mehrheitsgesellschaft zu sensibilisieren?

    Als schönes „Schlusswort“ hätte ich mir mehr Mut zum Thema „Zusammenhalt“ und „Zivilcourage“ gewünscht. Dann hätten so Rattenfänger wie Salafisten und PEGIDA gar keinen so großen Zulauf!

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  23. ws
    22. März 2015

    Die „Lord’s Resistance Army“ führt diesen Namen, um sich aufzuwerten. Das war es dann auch schon. Auch dort gibt es keine Rechtfertigung aus der Bibel für Gewalttaten“. Kein von Ihnen angeführtes Beispiel hat diesen gewalttätigen Impact in der Breite, wie es islamistischer Terror hat. Die IS-Führer sind promovierte islamische Theologen. Es gibt einen Zusammenhang und eine Rechtfertigung von Gewalt und orthodoxem Islam. Es mag nicht Ihrem Verständnis von Islam entsprechen, andere Moslems haben eine andere Sicht. Diesen Zusammenhang abzustreiten und nur von „Menschen“ zu reden ist ein wenig unter Ihrem Niveau.

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  24. Zivilisierte Welt
    30. März 2015

    „Kannst du verstehen, dass ich traurig bin? [… ] Wenn ‘meine’ Toten nicht beklagenswert sind und über ‘deine’ Toten die ganze Welt trauert.“ Wir und ihr – die einzig brauchbare Passage in dem Text. Das Beklagenswerte am Islam ist doch vor allem die Tatsache, dass „ihr“ ihn auf unserem Teil der Landkarte praktiziert. Der Islam ist kein Teil Deutschlands. Wir brauchen ein EInreiseverbot für alle OIC-Staatler, ein Beschneidungs-, Schächt- und Kopftuchverbot. Das Christentum war schon schlimm, aber die Kopfabschneider seid ihr. Wir sind die Demokratie, ihr seid die Diktatur. Wir lieben die Menschen ihr liebt nur euren nicht existierenden Gott. Auspeitschen, Kopf abhacken und quälen, dass sind eure Umgangsformen mit Kritikern. Deshalb flieht ihr in Massen aus euren Heimatländern zu uns. Und deshalb müssen wir euch den Islam verbieten, damit wir nicht bald genau so leben müssen wir die Afghanen, Iraner oder Araber.

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    • ayhanakcin
      31. März 2015

      weis nicht ob es was bringt, wenn auf so etwas geantwortet wird, dass Sie zu veranstalten versuchen Liebe Zivilisierte Welt. Anscheinend kann diese Zivilisierte Welt nur Hass predigen und alles gute für sich beanspruchen und alles gute für andere abstreiten. Die Zivilisierte Welt hat viele von den Weltreligionen, Zivilisationen und Kulturen dieser Welt gelernt, müssen wir zugeben, anscheinend nicht genug. Vergessen wir nicht das es immer noch viel zu lernen gibt. Und nun? Und nun scheint die zivilisierte Welt Hochmut zu zeigen, leider. Was soll ich tun? Alle in der Zivilisierten Welt verurteilen. Ne, ne lieber nicht. Dann währe ich genau so schlimm. Ne lass mal, dass schaft selbst die Zivilisierte Welt nicht. Nicht mit mir Freund. Schreib du mal weiter Freund.

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  25. Larameltem
    31. Oktober 2015

    Danke, liebe Betül, für deinen schönen Eintrag, und überhaupt für deinen ganzen Blog! Eine wahre Bereicherung für alle, Nicht-Muslime und Muslime, für ganz Deutschland, für all die, die über den Tellerrand schauen wollen und mal eine andere Perspektive einnehmen möchten! Für alle, die den Dialog und das freundschaftliche Miteinander suchen und einfach mal das menschliche in den Vordergrund stellen! Über eine Person kann man höchstens anhand ihrer Taten urteilen, aber sicherlich nicht anhand ihrer Ethnie, Religion oder sonst irgendwas ….!
    Mach bitte weiter so 🙂
    Ganz liebe Grüße,
    deine Lara Meltem

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