betül ulusoy

Wir haben ein Regelbuch, Sie Scheißkerl! – Was uns zu Deutschen macht

Er wird auf der Straße verfolgt und flüchtet sich hinter ein Auto. Als er sich gerade in Sicherheit wägt, gerät er seinem Verfolger in die Fänge: Ein CIA-Agent, wie sich herausstellt.

In der nächsten Szene sitzt er dem CIA-Agenten in einer Bar gegenüber. „Wir sollten mal plaudern.“, sagt der Agent zu Tom Hanks. Hanks spielt den Rechtsanwalt Donavan, der eher unfreiwillig den sowjetischen Agenten Abel bei einem Schauprozess vertritt. Von vornherein steht eigentlich fest: Abel soll die Todesstrafe erhalten. „Hat ihr Mann schon geredet?“, will der CIA-Agent von Hanks nun wissen. Die CIA hat seit der Verhaftung von Abel nichts aus ihm heraus bekommen. Jetzt wollen sie über Hanks an Informationen gelangen. Pause. „Wie bitte?“, fragt Hanks. „Hat er geredet, hat er schon irgendetwas gesagt?“, hakt der Agent nach. „Dieses Gespräch findet nicht statt.“, antwortet Hanks und schaut eindringlich. „Naürlich nicht“, beschwichtigt der Agent. „Nein, im Ernst, es findet nicht statt“, meint Hanks, beide Hände zu Fäusten geballt. Die eine Faust ruht auf seinem Knie, die andere auf dem Tisch, zwischen den beiden Männern. Hanks klärt über seine anwaltliche Schweigepflicht auf. „Ich bitte Sie, Herr Rechtsanwalt“, setzt der CIA-Agent an. Er verstehe das mit der Schweigepflicht, dass er mit diesen Dingen seine Brötchen verdiene, aber hier ginge es um viel mehr, um die Sicherheit ihres Landes, sie müssten also wissen, was der Gefangene erzählt habe: „Verstehen Sie mich, Donavan? Wir müssen es wissen“, fordert der Agent,  Spielen Sie nicht den Moralapostel. Wir haben hier kein Regelbuch.“ Die Kamera schwenkt wieder zu Hanks über. „Sie sind Agent Hoffmann, ja?„, fragt Hanks. „Ja. Und?“„Mit deutschen Wurzeln?“, stellt Hanks fest. Der Agent wird ungeduldig. „Mein Name ist Donavan, irisch, beide Seiten. Ich bin Ire. Sie sind Deutscher. Was aber macht uns beide zu Amerikanern? Nur eine Sache, eine, eine, eine: das Regelbuch. Wir nennen es Verfassung. Wir haben uns auf die Regeln geeinigt. Das macht uns zu Amerikanern, und nur das. Erzählen Sie mir also nicht, es gäbe kein Regelbuch. Und nicken Sie nicht so dämlich, Sie Scheißkerl!“

Dem Scheißkerl vergeht das Lachen. Dafür lächelt Hanks nun ganz breit in die Kamera. Er steht auf, nimmt seinen Mantel, seinen Hut und noch zwei Nüsse – und geht.

Solange wir selbst uns und unserem Regelwerk – unserem Grundgesetz – treu bleiben, fuktionieren wir. Das Regelwerk ist das, was uns zu „uns“ macht, was uns trotz unserer Vielfalt eint, was uns zu Deutschland und zu Deutschen macht. Hanks wirkt wie ein Oberlehrer. Aber Hanks hat Recht.

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Ein Kommentar zu “Wir haben ein Regelbuch, Sie Scheißkerl! – Was uns zu Deutschen macht

  1. bader
    6. Februar 2016

    Salam alaykum dear Betul

    I’m Safa Bannani, belgian journalist. I contact you because I read your comment on the sexual harassment incident in Köln. I will be in Köln next weekend from 12 February to 14. I will be glad to meet you and discuss.

    Thank you for your answer

    best regards

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 28. Dezember 2015 von in Allgemein und getaggt mit , , , , , , , , , .
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